Bedarfsgerechte Beleuchtung an Autobahnanschlussstellen: Pilotprojekt Eisenstadt

Gemeinsam mit unserem Projektpartner, der BE Solution GmbH (einer Tochtergesellschaft der Burgenland Energie), hat lixtec ein wegweisendes Projekt für smarte Infrastruktur im Burgenland realisiert. An zwei benachbarten Anschlussstellen der Burgenland Schnellstraße (S31) in Eisenstadt wurde eine intelligente, bedarfsgerechte Lichtsteuerung installiert.

Während die weiterführenden Bundes- oder Landesstraßen in Österreich häufig unbeleuchtet bleiben, gilt für den unmittelbaren Kreuzungsbereich von Anschlussstellen aus Gründen der Verkehrssicherheit eine normgerechte Beleuchtungspflicht. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Verkehrsströme und variierender Geschwindigkeiten macht diese Zonen zu kritischen Punkten im Straßennetz. Das Projekt zeigt, wie sich Sicherheit und Energieeinsparung perfekt vereinen lassen.

Technische Umsetzung vor Ort: Zwei erfolgreiche Projekte

Dass bedarfsgerechte Steuerung an solchen Knotenpunkten hervorragend funktioniert, zeigen zwei unabhängig voneinander realisierte Projekte in unmittelbarer Nachbarschaft:

  • Das Projekt an der Mattersburger Straße (B50): Hier wurden im Juli 2026 22 lixtec-Radarsensoren auf 22 Leuchten in Fahrtrichtung Eisenstadt installiert. Die nachfolgenden Messdaten beziehen sich auf diesen Straßenabschnitt.
  • Die Installation an der Ruster Straße (B52): Dass dieses Konzept kein Einzelfall ist, zeigt das bereits im Herbst 2025 erfolgreich umgesetzte Projekt an der direkt benachbarten Anschlussstelle. Dort sind bereits 53 Radarsensoren dauerhaft im Einsatz.

Abb. 1: Anschlussstelle Mattersburger Straße

Abb. 2: Anschlussstelle Ruster Straße

An der neu ausgestatteten Anschlussstelle Mattersburger Straße liegen die Nennleistungen der Leuchten bei 40 und 70 Watt. Die lixtec-Sensoren reagieren dynamisch auf herannahende Fahrzeuge: Registrieren sie keine Bewegung, verweilt das Licht auf einem energiesparenden Grundniveau von weniger als 10%. Sobald sich ein Fahrzeug nähert, wird die Helligkeit der 70 Watt Leuchten normgerecht auf 67% hochgefahren, die Helligkeit der 40 Watt Leuchten normgerecht auf 50%.

Dabei muss nicht jede einzelne Leuchte mit einem eigenen Sensor ausgestattet sein. Dank der großen Reichweite der lixtec-Sensoren wird die Straße durch strategisch verteilte Einheiten lückenlos erfasst. Die Leuchten ohne eigenen Sensor sind über intelligente Controller als „Nachbarleuchten“ im Netzwerk verbunden. Registriert ein Sensor Bewegung, schalten sich die verknüpften Nachbarleuchten automatisch mit ein. So entsteht der Eindruck eines vorauseilenden Lichtbandes.

Verbrauchsanalyse: Dauerbetrieb vs. bedarfsgerechtes Dimmprofil

Um die exakte Wirkung der bewegungsabhängigen Lichtsteuerung anhand dieses konkreten Fallbeispiels zu belegen, wurde im Juli 2026 eine zweiwöchige Vergleichsmessung unter identischen saisonalen Rahmenbedingungen durchgeführt:

  • Woche 1 (Basiswert): Alle 22 Leuchten brannten durchgehend mit 100% Lichtleistung.
  • Woche 2 (Testphase): Bedarfsgerechte Steuerung über lixtec-Radarsensoren

Abb. 3: Der Unterschied zwischen der LED-Helligkeit einer Leuchte bei durchgehend 100% und bei bedarfsgerecht 67%

Die Auswertung der Messdaten der gesamten Anlage der Anschlussstelle Mattersburger Straße liefert ein klares Bild über den verringerten Stromverbrauch und die Verkehrsstruktur:

  • Energieverbrauch Woche 1 (100% Dauerbetrieb): 78 kWh
  • Energieverbrauch Woche 2 (Bedarfsgerechter Betrieb): 23 kWh
  • Tatsächliche Energie- und CO₂-Einsparung: 55 kWh pro Woche oder 70,5%

Abb. 4: Die Energiestatistik einer Leuchte im Vergleich bei durchgehend 100% und bei bedarfsgerecht 67% Helligkeit

Drei Faktoren für maximale Einsparung: Nennleistung, Verkehrsstruktur und Haltezeit

Kreuzungsbereiche an Schnellstraßen bieten aus drei Gründen die perfekten Bedingungen für den Einsatz smarter Sensortechnik:

  1. Hohe Grundleistung: Mit 40 bzw. 70 Watt je Leuchte liegt der Verbrauch hier deutlich über dem einer klassischen Wohnstraße. Jede reduzierte Minute schlägt sich somit in der Energiebilanz eindeutig nieder.
  2. Ausgeprägte Lastunterschiede: Während der Berufsverkehr in den Morgen- und Abendstunden für eine hohe Frequenz sorgt, herrscht in den tiefen Nachtstunden nur noch geringes Verkehrsaufkommen. Genau in diesen verkehrsarmen Zeiten spielt die bedarfsgerechte Dimmung ihre Stärken voll aus.
  3. Präzise abgestimmte Haltezeit: Ein entscheidender Stellhebel für die Effizienz ist die Einschaltdauer des Lichts nach einer Detektion. Aufgrund der höheren Geschwindigkeiten auf der Bundesstraße ist die Haltezeit in Eisenstadt bewusst kurz eingestellt. Das lixtec-Prinzip lautet hier: Das Licht bleibt so lange wie für die maximale Verkehrssicherheit nötig hochgefahren, aber so kurz wie möglich, um keine wertvolle Energie zu verschwenden.

Potential für das österreichische Straßennetz

Das Potenzial dieser Technologie ist enorm. Laut ASFINAG umfasst das österreichische Autobahn- und Schnellstraßennetz von rund 2.278 Kilometern insgesamt 386 Anschlussstellen (Quelle: ASFINAG, „Zahlen & Fakten“).

Rechnet man das Eisenstädter Beispiel – mit durchschnittlich 50 Sensoren pro Anschlussstelle, wenn zwei Anschlussrichtungen ausgestattet werden – auf ganz Österreich hoch, ergibt sich folgende jährliche Hebelwirkung:

  • Mögliche Gesamteinsparung (386 Anschlussstellen): 2,51 GWh / Jahr
  • Mögliche CO₂-Reduktion pro Jahr: rund 381 Tonnen CO2 / Jahr

(berechnet mit dem CO₂-Rechner des Umweltbundesamts mit dem Emissionsfaktor 0,123 kg CO₂/kWh für Österreich)

Intelligente Beleuchtung als Standard für moderne Infrastruktur

Das Projekt in Eisenstadt beweist eindrucksvoll, dass Anschlussstellen im hochgeordneten Straßennetz zu den wirtschaftlich und ökologisch attraktivsten Einsatzorten für intelligente Beleuchtung zählen. Die Kombination aus hoher Leuchtenleistung und stark schwankendem Verkehrsaufkommen bietet enorme Einsparmöglichkeiten. Mit bundesweit hunderten vergleichbaren Knotenpunkten steht der Infrastruktur ein enormer Hebel für Kostensenkungen und aktiven Klimaschutz zur Verfügung.