Sensoren am Radweg richtig planen: Das How-to für bedarfsgerechte Beleuchtung

Das Radwegenetz wächst kontinuierlich: Neue Radschnellverbindungen und gemischte Geh- und Radwege verbinden Städte und Umland. Häufig führen diese Routen durch sensible Naturräume – durch Wälder, über Wiesen oder entlang von Gewässern. Beleuchtung erhöht hier die Frequenz, stärkt das Sicherheitsempfinden und sorgt für ganzjährige Nutzbarkeit. Der Schlüssel, um diesen Komfort mit dem Schutz der nächtlichen Ökosysteme zu vereinen, ist situative Beleuchtung auf Basis präziser Radarsensorik.

Nachdem unser letzter Beitrag die Vorteile bedarfsgerechter Beleuchtung außerorts beleuchtet hat, geht es nun an die Praxis: Was muss die Leuchte technisch mitbringen? Zu welchem Zeitpunkt erfolgt die Montage des Sensors an der Leuchte? Und wie viele Sensoren braucht ein Radweg?

Technische Voraussetzung: die Zhaga-Schnittstelle

Bei der Beschaffung der Leuchten sollte die nach unten ausgerichtete Zhaga-Schnittstelle in jedem Fall berücksichtigt werden. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Sensorik werkzeuglos an der Leuchte angebracht werden kann – ohne Tiefbau, ohne zusätzliche Verkabelung und ohne Eingriff in den Leuchtenkopf.

Die Zhaga-Schnittstelle beruht auf einer freiwilligen Standardisierung internationaler Leuchtenhersteller und ermöglicht die Erweiterbarkeit der Anlage: Was heute ein Radarsensor ist, kann morgen ein Umwelt- oder Luftqualitätssensor sein. Unsere Empfehlung lautet daher, die Zhaga-Schnittstelle bei jeder LED-Umrüstung als festen Bestandteil einzuplanen.

Montage & Inbetriebnahme: Die häufigsten Praxisfragen

Am effizientesten ist die Montage direkt beim Setzen der Leuchten: Sobald der Leuchtenkopf am Mast montiert ist, wird der Sensor an die Zhaga-Schnittstelle angesteckt. Das spart eine zweite Anfahrt mit der Hubarbeitsbühne und senkt die Installationskosten erheblich.

Nein. Die Ersteinrichtung sowie spätere Anpassungen von Dimmprofilen und Haltezeiten erfolgen jederzeit bequem und drahtlos vom Boden aus.

Nein. Die Werkseinstellung lautet „ohne Dimmverhalten“. Die Leuchte arbeitet zunächst im Basisniveau gemäß Leuchtenbeschaffung, bis ein Dimmprofil hinterlegt wird.

Nein. Die Montage erfolgt werkzeuglos mit einer einfachen Drehbewegung.

Die meisten Leuchtenhersteller bringen bereits Erfahrung mit situativ gesteuerten Radwegen mit und unterstützen bei der Planung. Ebenso begleitet lixtec die Sensorplanung unmittelbar – unabhängig davon, welche Leuchte zum Einsatz kommt.

Grundsätzlich gilt: Jeder Radweg besitzt seine eigene Charakteristik. Eine sorgfältige Planung im Vorfeld ist der wirksamste Schutz vor Beanstandungen im Betrieb.

Vier Varianten der Sensorplanung für Radwege

Für alle vier Varianten gilt gleichermaßen:

  • Sämtliche Dimmprofile sind frei konfigurierbar.
  • Die Haltezeit ist frei konfigurierbar.
  • Eine nachträgliche Änderung des Dimmverhaltens ist jederzeit möglich.

Variante 1: Der Klassiker – ein lix.pure Sensor pro Leuchte

An jeder Leuchte wird ein Sensor angebracht. Die Geräte werden über ein Mesh-Netzwerk miteinander verbunden – sie werden „vernachbart“. Erfasst ein Sensor ein Objekt, aktiviert er die benachbarten Leuchten. Diese Variante eignet sich besonders für gemischte Wege, die von FußgängerInnen und RadfahrerInnen gemeinsam genutzt werden.

Vorteile
  • Keine Rücksicht auf die Sensorplanung bei der Montage erforderlich
  • Erfassung an jedem Lichtpunkt
Nachteile
  • Höherer Investitionsaufwand

Variante 2: Abwechselnder Einsatz von lix.pure und Funkknoten

In dieser Variante fungiert der Funkknoten (Controller) als Repeater des Bewegungssignals. Auch hier ist die Vernetzung der benachbarten Geräte über ein Mesh-Netzwerk die Voraussetzung für mitlaufendes Licht. Empfohlen wird diese Ausführung für Strecken, auf denen überwiegend RadfahrerInnen unterwegs sind.

Zu beachten: Bei Querungen von Straßen und Einfahrten ist jeweils ein Sensor vor und nach der Einmündung vorzusehen.

Vorteile
  • Geringere Durchschnittskosten je Lichtpunkt
Nachteile
  • Streckenabschnitte ohne Erfassung

Variante 3: Sensor und Funkknoten im Verhältnis 1:2

Die große Reichweite der lix.one-Sensoren erlaubt es, zwischen zwei Radarsensoren zwei Funkknoten ohne eigene Sensorik zu platzieren. Auf Radschnellwegen empfiehlt sich diese Variante insbesondere wegen der frühzeitigen Erkennung der Verkehrsteilnehmenden. Über den Geschwindigkeitsfilter lassen sich zudem Objekte auf parallel verlaufenden Straßen gezielt ausblenden: In einem lixtec Projekt an einem straßenparallelen Radweg wurden sämtliche Bewegungen oberhalb von 40 km/h herausgefiltert.

Vorteile
  • Geringe Durchschnittskosten je Lichtpunkt
  • Große Reichweite der Sensoren
  • Geschwindigkeitsfilter möglich
Nachteile
  • Platzierung der Sensoren muss exakt nach Plan erfolgen
  • Große Reichweite erfasst in Kurven auch angrenzende Bereiche

Variante 4: Die Mischvariante

In der Praxis erweist sich häufig eine Kombination der Varianten als tragfähigste Lösung. So kann ein reichweitenstarker Sensor am Wegbeginn die frühzeitige Ersterkennung übernehmen, während im weiteren Verlauf eine abwechselnde Bestückung genügt. In Kurven und dicht bewaldeten Abschnitten ist eine geringere Sensordichte von Vorteil, um Fehlauslösungen zu vermeiden.

Die Haltezeit: so lange wie notwendig, nicht länger als nötig

Für die Festlegung der Haltezeit – also der Nachlaufzeit – existiert eine einfache Regel: Maßgebend ist stets der langsamste Verkehrsteilnehmende auf der Fläche. Niemand soll den beleuchteten Bereich verlassen, bevor der nachfolgende Lichtpunkt reagiert hat.

Für die Berechnung genügen zwei Angaben aus der Anlage:

  • der Abstand der Lichtpunkte
  • der Erfassungsbereich des Sensors
Abstand Lichtpunkte − Detektionsbereich = Meter ohne Abdeckung
Haltezeit = Meter ohne Abdeckung ÷ Geschwindigkeit des langsamsten Objekts

Empfehlung: ein Drittel der errechneten Haltezeit hinzurechnen, um den Nachlauf abzusichern.

Im Beispiel verbleiben bei 30 Metern Lichtpunktabstand und je 8 Metern Erfassungsbereich 14 Meter ohne Abdeckung. Bei einer Gehgeschwindigkeit von 2 km/h – also 0,56 m/s – ergibt das 25 Sekunden, in denen das Licht an bleiben muss, um eine durchgehende Beleuchtung zu garantieren. Zuzüglich eines Drittels der Zeit als Reserve resultiert eine Haltezeit von 33 Sekunden. Verändert sich die Nutzung der Strecke, lässt sich dieser Wert jederzeit nachjustieren.

Sonderfall Solarleuchte

Bei Solarleuchten ist eine adaptive Steuerung besonders vorteilhaft: Das Normniveau wird ausschließlich dann abgerufen, wenn die Detektion eines Verkehrsteilnehmenden dies erfordert. Durch bedarfsgerechte Beleuchtung wird der zur Verfügung stehende Strom effizient genutzt.

An Standorten mit uneingeschränkter Sonneneinstrahlung stellt die Akkuladung für moderne Solarleuchten keine Herausforderung dar. In der Praxis finden sich jedoch ebenso Installationen, deren Ertrag durch Gebäude, Bäume oder Sträucher eingeschränkt ist. Dort kommt der Verbrauchsoptimierung besondere Bedeutung zu – insbesondere in den Wintermonaten mit flachem Sonneneinfall – damit auch mehrere Nächte ohne vollständige Ladung überbrückt werden können.

Zukunftsfähige Hardware, flexibel steuerbares Licht

Die technische Umsetzung an Radwegen ist unkompliziert: Zhaga-Schnittstelle mitbestellen, Sensor werkzeuglos aufstecken, Dimmprofil und Haltezeit konfigurieren – fertig.

Entscheidend für einen reibungslosen Ablauf ist die präzise Planung vorab: Welche Lichtpunkte benötigen einen eigenen Sensor und wo reicht ein Funkknoten aus? Eine durchdachte Sensorverteilung spart Zeit und vermeidet nachträgliche Korrekturen am Mast. Einmal montiert, bleibt das System maximal flexibel: Dimmprofile und Haltezeiten lassen sich im laufenden Betrieb jederzeit vom Boden aus anpassen.

Wir unterstützen Sie bei der optimalen Sensorplanung für Ihr Radwegprojekt.

Sprechen Sie mit unserem Experten: Andreas Schnegg-Primus, a.schnegg-primus@lixtec.com